28 09 2020

Austausch von Unternehmer zu Unternehmer: Warum Begegnungen auf Augenhöhe so wichtig sind.

Neulich habe ich mich nach dem Tennisspielen mit meinen Matchpartner, der wie ich Unternehmer ist, noch ein wenig auf der Bank unterhalten. Normalerweise reden wir über das Match oder übers Wochenende, wir reden dann als Freunde, als Tennisspieler, als Familienväter – aber nicht als Unternehmer.

Diesmal aber sprachen wir über die US Open, und so kamen wir auf Spieler, die für uns Vorbilder sind, und auf einmal waren wir beim Thema unternehmerische Vorbilder. Hinterher fanden wir das beide total super, und er meinte: „Wow, so als Unternehmer haben wir uns ja noch nie ausgetauscht!“

Unternehmer überall

Ich finde, wir begegnen uns viel zu selten auf diese Weise. Wenn ich Kunde bin und der andere Lieferant, dann begegnen wir uns eher in diesen Rollen – obwohl wir beide ja auch Unternehmer sind.

Und statt einem Mitarbeiter als Mitarbeiter zu begegnen, könnte ich auch ihm eine andere Rolle einräumen und ihm von Unternehmer zu Unternehmer begegnen.

Denn eine Rolle ist etwas anderes als eine Position, dieser Unterschied wird von uns aber leider immer wieder übersehen. Doch wenn jemand mit der Position Unternehmer in eine Fachkraft-Rolle gehen kann, kann auch jemand mit einer Fachkraft-Position in die Unternehmer-Rolle gehen.

In diesem Sinne laufen da draußen mehr Unternehmer herum, als wir das ahnen. Also Menschen, die gewillt und in der Lage sind, unabhängig von ihrer Position in der Unternehmer-Rolle aktiv zu werden. Ich muss nur daran denken, wie viele meiner Mitarbeiter in Fachkraft-Position nach Feierabend unternehmerisch aktiv sind, im Vorstand eines Vereins oder als Bauherren ihres Eigenheims etc.

Wir sollten uns darin trainieren: Wenn wir den Unternehmer im Menschen, im Mittelständler, im Mitarbeiter, im Kunden, im Lieferanten entdecken, dann können wir ihm anders begegnen.

Die Themen der Unternehmer

Ein Unternehmer, mit dem ich darüber sprach, wandte mal ein: „Das geht ja nicht, der hat ja gar keine Ahnung von meinem Geschäft. Worüber soll ich mich mit ihm unterhalten, er ist doch in einer ganz anderen Branche.“

Doch ich meine es anders: Unternehmer begegnen sich durch rollenspezifische, eben unternehmerische Themen – und diese Themen sind branchenunabhängig.

Das bestätigt auch das Feedback auf mein Buch oder auch auf meine Texte in diesem Blog. Denn viele, die das lesen, fragen mich: „Sag mal, wann hab‘ ich dir das alles erzählt, das ist ja original das, was mich beschäftigt?“ Mein Antwort ist: „Das hast du mir nicht erzählt, aber das sind halt Unternehmerthemen.“ Die sind sicherlich hier und da anders dosiert, aber im Kern haben wir Unternehmer nun einmal die gleichen Themen!

Sie brauchen nur einen Aufhänger, aber den gibt es immer. Wie bei mir nach dem Tennisspielen…

Raus aus der Heldenrolle

Zu diesem Dialog von Unternehmer zu Unternehmer gehört aber eines, was vielen von uns nicht so leichtfällt: Wir müssen bereit sein, offen miteinander zu sprechen. Weil wir Unternehmer uns jedoch immer als die Starken, als die Unverletzbaren sehen, fällt es uns besonders schwer, über gewisse Themen offen zu sprechen.

Aus dieser Heldenrolle sollten wir Unternehmer uns aber, meine ich, sowieso befreien. Die Unternehmer-Heroen wie Jeff Bezos, Steve Jobs, Elon Musk sind ja unbestreitbar faszinierende Persönlichkeiten – aber deswegen noch lange keine Blaupausen für uns als gute Unternehmer.

Lassen Sie sich ruhig von ihnen inspirieren. Aber finden Sie Ihre eigene Idee von Unternehmersein – und die finden Sie viel leichter im direkten Austausch mit anderen Unternehmern.

Und da müssen Sie schon bereit sein, sich zu öffnen, eine gewisse Transparenz, um nicht zu sagen, Verletzbarkeit zu zeigen. So wie ein kluger Mann mal sagte: „Wer Vertrauen will, muss sich verletzbar machen.“

Etwas von mir erzählen

Aber bei den Stichworten „Offenheit“ und „Verletzbarkeit“ höre ich oft skeptische Fragen wie: „Soll ich da einen Seelen-Striptease machen? Oder Geschäftsgeheimnisse verraten?“ Nein, natürlich nicht!, Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es für einen Dialog auf Augenhöhe Grundvoraussetzung ist, dass ich mich traue, Themen, die mich wirklich bewegen, offen anzusprechen –  und auch etwas von mir zu erzählen.

Im Gespräch nach dem Tennisspiel habe ich zum Beispiel erzählt, dass Arnold Schwarzenegger seit meinem 14. Lebensjahr mein großes Idol ist. Mein Tennispartner war erstmal irritiert: „Wie, der Typ?“

Aber ich habe ihm dann erklärt, warum das mein Idol ist und warum nicht: nicht, weil er dicke Muskeln oder viel Geld hat. Sondern weil ich sein Mindset so toll fand, mit dem er Berge versetzt hat. Das ist für mich unfassbar inspirierend, deswegen muss ich aber kein Bodybuilder werden oder Schauspieler oder Gouverneur. Früher hätte ich so etwas nicht erzählt, aber heute stehe ich dazu und war auch in dem Gespräch froh, es erzählt zu haben.

Anerkennung und Wertschätzung

Sie können jetzt natürlich fragen: „Ist ja ganz nett, dieser Austausch, aber was habe ich überhaupt davon?“ Nun, als Leser dieses Blogs kennen Sie schon meinen Standpunkt, dass es allen Unternehmern und ihren Unternehmen (und ihren Familien) sehr guttun würde, wenn sie mehr am statt im Unternehmen arbeiten und immer weniger den Job ihrer Mitarbeiter machen würden. Wenn sie mehr in die Unternehmer- als in die Manager- oder Fachkraft-Rolle hineingehen.

Wenn Unternehmer aber bewusst mehr in die Unternehmer-Rolle gehen, dann merken sie, dass das da ganz schön einsam werden kann: Wo sind die Menschen, wo sind die Projekte, aus denen sie in der Manager- und Fachkraft-Rolle so viel Anerkennung und Wertschätzung ziehen? Sie können dann wieder zurück ins Operative gehen – aber auf diese Weise bleiben sie im Hamsterrad!

Oder sie müssen die Unternehmer-Rolle so für sich gestalten, dass sie auch hier Anerkennung und Wertschätzung bekommen. Von den Kunden und Mitarbeitern ist das möglich, aber gar nicht so einfach. Einfacher ist es, auf andere Unternehmer zugehen und mit ihnen einen Austausch auf Augenhöhe zu starten!

Come Together

Wenn ich jetzt so an diese Form von Austausch zwischen Unternehmern denke, habe ich unwillkürlich mal wieder den guten alten Beatles Song Come Together im Ohr. Dieses Zusammenkommen ist für mich Mittel zum Zweck, um uns und unsere Gesprächspartner peu à peu mehr zu trainieren, in die Unternehmer-Rolle hineinzukommen – und uns darin zu halten.

Und wie ist Ihre Erfahrung mit Austausch von Unternehmer zu Unternehmer? Schreiben Sie mir doch mal darüber. Aber vor allem: Sprechen Sie andere Unternehmer darauf an! Ich bin überzeugt: Mehr denn je braucht unser Land den Unternehmer im Mittelständler, der sich selbst und anderen Unternehmern als Unternehmer begegnet!

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