09 10 2021

Erwachsenes Unternehmen, unternehmungslustiger Unternehmer: Gedanken zum 21. Firmengeburtstag.

Mein Unternehmen und ich als Unternehmer haben nächste Woche mal wieder etwas zu feiern: unseren Firmengeburtstag. Dieses Jahr ist es sogar ein besonderer, der 21.! Wir feiern übrigens jedes Jahr: aber nicht den „Gründungstag“, kein „Firmenjubiläum“, sondern eben den Geburtstag. So wie in jeder Familie. Ich kenne kein anderes Unternehmen, das diesen Anlass jährlich so feiert.

21, das hört sich, finde ich, irgendwie nach Erwachsensein an. Und so erlebe ich mein Unternehmen auch. Was aber, frage ich mich, bedeutet es eigentlich für mich als Unternehmer, „erwachsen“ zu werden?

Ein besonderes Datum

So ein 21. Firmengeburtstag ist natürlich gar kein offiziell bedeutsames Datum. 10, 25 oder 50 Jahre, das sind die Jubiläen, bei denen es von der IHK eine Gratulation, eine Urkunde und einen Händedruck gibt.

Und mit dem Erwachsensein ist es auch so eine Sache, denn das Erreichen der Volljährigkeit ist de jure natürlich längst auf 18 herabgesetzt. Aber ich weiß, dass die 21 dennoch für viele ein besonderes Datum markiert, und sie hat auch heute noch für junge Leute eine juristische Bedeutung, weil sie da volle strafrechtliche Verantwortlichkeit erlangen, in einigen Bundesländern erstmals Spielkasinos betreten dürfen und die Null-Promille-Grenze beim Fahren eines Kfz für sie endet.

Eine richtige Firma

21 Jahre also. Das erste KAAPKE Unternehmen wurde am Freitag, dem 13. (!) Oktober 2000 gegründet. Ich blicke an diesem Tag immer gerne zurück. Damals war mein erstes Büro in Düsseldorf in der WG, die ich mit meiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau bewohnte, fünfte Etage, ohne Fahrstuhl. Meine Kunden saßen in der Heimat in Cloppenburg, da habe ich nach einem halben Jahr 160 m² angemietet, in denen ich zuerst ganz alleine saß. Ich dachte: Wenn ich diese Räume mal voll habe mit sieben Leuten, dann sind wir eine richtige Firma, dann habe ich echt was geschafft!

Meine Devise war: Ich mach das jetzt einfach, mal gucken, wo mich das hinführt. Ich hatte keinen Businessplan, ich hatte einfach Lust darauf. Und wenn es nicht klappte, dann würde sich was anderes finden … Es ging dann keineswegs immer nur bergauf, es gab Rückschläge und Misserfolge, aber selbst mit denen bin ich irgendwie fertig geworden.

Und nun sind es 21 Jahre, wir sind wahrlich eine „richtige Firma“, sind  gewachsen, haben alle Krisen gestärkt überlebt und uns auch von Corona nicht umhauen lassen.

Cooles Unternehmersein

Diese Entwicklung ist keineswegs selbstverständlich, im Schnitt werden Unternehmen in Deutschland nach Erhebungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform nur 16 Jahre alt. Schon zehn Jahre nach der Gründung verschwinden rund 50 Prozent der Unternehmen wieder vom Markt, und nur jedes vierte Unternehmen wird älter als 20. Wenn Firmen aber erst einmal die 20 geschafft haben, so die Untersuchung, können sie durchaus „mit mindestens weiteren 20 Jahren rechnen“.

Das macht mich optimistisch und stolz, es tut gut, sich das mal klar zu machen, daraus auch neue Kraft und neuen Mut zu schöpfen, den wir gerade jetzt in dieser Zeit wirklich gebrauchen können. Ich glaube, dass auch viele meiner Mitarbeiter stolz sind und den Geburtstag auf sich mit beziehen und nicht nur auf die juristische Person der Firma.

Ich spüre an so einem Tag einmal mehr, was für mich so großartig am Unternehmersein ist: Ich kann mit coolen Leuten coole Sachen für coole Kunden machen. Wenn das kein Grund für Dankbarkeit ist?

Das innere Kind herauslassen

Aber dieser Tag ist für mich nicht nur Anlass für Dankbarkeit. Er bietet mir auch die Chance, mein Unternehmersein, meine persönliche Entwicklung als Unternehmer und mein unternehmerisches Erwachsensein zu reflektieren.

Ich bin jetzt 45, schon fast die Hälfte meines Lebens bin ich also Unternehmer, und als der jetzt auch irgendwie „erwachsen“. Einer der Glaubenssätze, die uns immer eingetrichtert werden, lautet: Erwachsen werden, das heißt vernünftig werden. Klingt im ersten Moment schlüssig, aber wenn ich darüber nachdenke, spüre ich auch die Gefahr, dass dieses „vernünftig werden“ auf so etwas wie langsam, behäbig oder zufrieden zu werden hinausläuft.

Da fällt mir ein altes Interview von Steven Tyler von Aerosmith ein, das er gegeben hat, als 1989 das geniale Album Pump rauskam. Auf die Frage, wie sie denn diese geilen Lieder hingekriegt hätten, sagte er etwas ganz Magisches, das ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf kriege: „Wir mussten bloß in uns horchen und das innere Kind in uns herauslassen.“

Auf mich als Unternehmer und mein Unternehmen bezogen heißt das, dass ich mir meine kindliche Neugier erhalte und den Drang, etwas Cooles zu erschaffen. Ich will auch weiter nicht nur für Geld arbeiten, sondern um etwas zu bewegen. Noch nicht in die mentale Frührente gehen, nicht träge werden und mich auf den Lorbeeren, die wir geschaffen haben, nicht ausruhen.

Unternehmer-Lust

Es heißt für mich auch, dass ich noch bewusster in die Unternehmer-Rolle hineingehe und am Unternehmen arbeite, so wie ein Kind, das mit Lego etwas baut und es mit kindlicher Spielfreude und mit Entdeckergeist ständig weiterentwickelt. Das Kind im Unternehmer bedeutet für mich auch, keine Angst zu haben – so wie ein Kind beim Skifahren, das wegen seiner geringeren Fallhöhe ganz unbekümmert ist. Unsere Fallhöhe als Unternehmen ist nach 21 Jahren schließlich längst nicht mehr so extrem wie damals, als ich mich selbstständig gemacht habe.

Es geht nicht darum, dass das Kind in mir die Leitung übernimmt, sondern dass ein gutes Team entsteht – ein wenig so wie bei einer Nachfolge, in der ich Senioren und Junioren oft coache: Sie erkennen schließlich, dass sie ein Team werden müssen, das auf unternehmerischer Augenhöhe miteinander kommuniziert. Ähnlich wie bei denen habe ich immer den erfahrenen Unternehmer in mir, der seit 21 Jahren erfolgreich ist, und spüre gleichzeitig das Kind in mir; das neugierig ist, das die Welt verändern will. Es ist da so eine Art von permanentem Senior-Junior-Dialog in mir, und daraus entsteht immer wieder die nächste Generation von mir selbst.

Erwachsen zu werden, das bedeutet für mich also nicht nur, vernünftig zu werden, sondern gleichzeitig so unternehmungslustig wie ein Kind zu bleiben. Unternehmungslust, das ist für mich Gegenprogramm zum reinen Vernünftigsein. Das bedeutet für mich nicht Unvernunft – sondern dass ich auch die nächsten 21 Jahre neugierig und in Bewegung und abenteuerlustig bleibe, voller Unternehmer-Lust – oder, wie es in einem der Songs aus dem Aerosmith-Album heißt, voller Young Lust!

Und wie erhalten Sie sich als Unternehmer Ihre Unternehmungslust? Schreiben Sie mir doch mal darüber. Aber vor allem: Sprechen Sie andere Unternehmer darauf an und tauschen sich mit ihnen darüber aus!

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