21 09 2020

Unternehmersinn macht Unternehmenssinn: Über Sinnchronisation im Mittelstand.

In meinen Sparrings mit mittelständischen Unternehmern frage ich gerne nach dem Unternehmenssinn. Das ist dann die Folgefrage zu meinem regelmäßigen „Was wollen Sie wirklich?“ zum Einstieg, von dem ich in einem meiner letzten Blogbeiträge erzählt habe. Denn wenn Unternehmer sich mit Hilfe dieser Frage klargemacht haben, was Sie selbst wollen, dann ist die Frage, was das für ihr Unternehmen bedeutet, damit ja noch nicht beantwortet.

Spriritueller Kram?

Doch „Sinn“ oder „Purpose“ im Zusammenhang mit ihrem Unternehmen sind für viele mittelständische Unternehmer auch Reizworte. Sie wittern hinter der Vorstellung von einem Unternehmenssinn „spirituellen Kram“ und erwidern: „Wir müssen erstmal Geld verdienen, damit wir uns dann um ‚Purpose‘ kümmern können!

Dann denke mich mir: Höchste Zeit für „Sinnchronisation“! Diesen Begriff haben Sie bestimmt noch nie gehört, denn ich habe ihn selbst erfunden. Worum es dabei geht: Eine ganz zentrale Aufgabe für Sie als Unternehmer ist es, das, „was Sie wirklich wollen“ (also Ihren Sinn) mit Ihrem Unternehmen in Übereinstimmung zu bringen – eben zu „sinnchronisieren“.

Der Sinn vom Unternehmenssinn

Aber was ist überhaupt der Sinn vom Unternehmenssinn? Das merken wir alle selbst am besten, wenn wir als Kunden mit anderen Unternehmen in Kontakt kommen. Ich zum Beispiel, wenn ich Klamotten für mich einkaufe. Meistens alleine ohne meine Frau, wenn ich sowieso in Hamburg zu tun habe. Vor einigen Wochen bin ich dabei auf einen Verkäufer gestoßen, der nur die Frage nach meiner Größe drauf hatte und mir ansonsten ein Ohr abgeschwatzt und mit großem verkäuferischem Geschick alle möglichen tollen Sachen aufgeschwatzt hat: Noch ein Hemd, noch einen Pulli, noch eine Paar Schuhe, noch dies und das…

Als ich dann vollbepackt mit dem Auto nach Hause fuhr und mit Begeisterung Run Devil Run von Paul McCartney mitsang, war ich ganz stolz über die Einkäufe und freute mich, sie meiner Frau zu zeigen. Aber sie sagte nur: „Was hast du dir denn da andrehen lassen, das passt ja überhaupt nicht zu dir!“ Da wurde mir im Nachhinein bewusst, dass der Verkäufer einen Superjob gemacht hatte – im Blick auf die Zielsetzung, einen Super-Umsatz zu liefern. Aber zugleich war ihm anscheinend die Frage, welche Klamotten zu mir passen, schnurzegal. Der Sinn seines Tuns war vermutlich: Verkaufen, und zwar so viel wie möglich. Das hätte ich natürlich auch gleich an Ort und Stelle kapieren können – aber gut, das ist eine andere Geschichte… Das Resultat ist jedenfalls: Ich hab keine Lust, beim nächsten Mal wieder hinzugehen.

Ich habe aber auch schon andere Erfahrungen gemacht. Da gibt’s Verkäufer, die wollen von mir als Kunden erstmal ganz viele Sachen wissen: Was denn der Anlass für meinen Kauf ist, was ich für ein Typ bin, wie ich mich bewege… Bei diesem Schlag von Verkäufern vermute ich, dass sie mit einem anderen Anspruch dabei sind, mit so etwas wie „Ich hab‘ Freude daran, andere Menschen gut aussehen zu lassen.“ Jede Wette: Zu denen gehe ich gerne wieder hin beim nächsten Einkauf.

Der Unternehmer prägt den Unternehmenssinn

Vielleicht denken Sie jetzt: Das sind Angestellte, und die sind angestellt, um zu verkaufen. Und wie sie das machen, ist ihr Ding. Oder Sie fragen sich, ob denn der Unternehmer überhaupt großen Einfluss darauf hat? Ob der den ganzen Tag hinter seinen Angestellten stehen und kontrollieren soll? Ich denke dazu, dass der Unternehmer auch ohne ständige Kontrolle einen starken Einfluss auf die Verkäufer hat. Er prägt das Mindset, in dem sie agieren. Gut möglich, dass für den Chef des Verkäufers, der mir die vielen Klamotten angedreht hat, das Unternehmen nur Mittel für einen einzigen Zweck ist: für möglichst viel Cash. Und damit hat er auch die passenden Mitarbeiter angezogen.

Oder vielleicht sieht dieser Chef sogar über den wirtschaftlichen Erfolg hinaus in seinem Unternehmen auch noch einen anderen Sinn, der mit ihm als Unternehmer zu tun hat. Aber er hat es versäumt, mit seinen Mitarbeitern darüber zu sprechen, und hat stattdessen immer nur über Zahlen, Daten, Fakten geredet. Kein Wunder, dass sich den Mitarbeitern dann sein Sinn des Unternehmens auch nicht erschließt und die einfach drauflosverkaufen. Der gleiche Verkäufer, der mich da so abgefertigt hat, der wäre vielleicht in einem anderen Modehaus mit anderem Unternehmenssinn ganz anders auf mich zugegangen.

Mit wem willst du arbeiten?

Dieser Unternehmenssinn aber wird im Mittelstand immer vor allem vom Unternehmer geprägt. Und es überträgt sich von ihm auf das Unternehmen, auf seine Mitarbeiter, auf seine Kunden und seine Lieferanten. Über diese Kette läuft das, was ich mit Sinnchronisation meine. Die Grundfrage an uns als Unternehmer dabei ist: Wie bewusst hast du einen Sinn für dich erkannt und definiert, und wie sehr versuchst du, diesen Sinn über dein Unternehmen zu realisieren? Je besser Sie das hinkriegen, desto mehr ziehen Sie mit Ihrem Unternehmen Mitarbeiter und Kunden an, die sich mit dem Unternehmenssinn und damit auch mit Ihrem Sinn identifizieren können und wollen. Die sich mit Ihnen sinnchronisieren.

Sie können alles, was Sie gestalten können in Ihrem Leben, auf diesen Sinn hin orientiert gestalten. Aber: Sie müssen nicht! Wenn einer als Unternehmenssinn definiert, dass am Ende nur das zwischen Daumen und Zeigefinger für ihn zählt, und er mehr Purpose nicht braucht, dann will ich ihn nicht bekehren. Das ist okay. Aber dann soll er sich auch nicht beschweren über Kunden, die ihn immer nur preislich drücken, über Mitarbeiter, die nur ans Geld und nicht an die Kunden denken. Die Frage ist: Mit wem und für wen wollen Sie wirklich arbeiten?

Das geile an meinem Unternehmersein ist für mich: Ich kann mit coolen Leuten coole Sachen für coole Leute machen. Ich kann mir aussuchen, mit welchen Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten ich arbeite. Ich habe für  mich und mein Unternehmen festgelegt: „We don’t work for assholes!

Weil ich das, was ich wirklich tun will, mit meinem Unternehmen sinnchronisiert habe.

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