13 02 2022

Ehepaar und Unternehmerpaar: Wie meine Frau und ich zusammen arbeiten.

Vor ein paar Monaten fragte mich ein Unternehmer, wie ich es mit der „Familytime“ halten würde. Ich erzählte ihm, dass meine Frau auch im Unternehmen aktiv ist und dass wir zusammen arbeiten.

Er meinte: „Das würde bei uns nicht funktionieren. Privat ist privat, und Job ist Job!“ Da wurde mir bewusst, dass die Art, wie meine Frau und ich zusammenarbeiten, nicht so selbstverständlich ist. Tatsächlich haben wir vorher auch intensiv darüber nachgedacht und uns coachen lassen.

Und da heute „Welttag der Ehe“ und morgen Valentinstag ist, dachte ich, das ist doch eine gute Gelegenheit, mal anderen Unternehmern davon zu erzählen.

Es wuchs mir über den Kopf

Meine Frau war früher auch selbständig, auch noch, als unsere erste Tochter auf die Welt kam. Nun kündigte sich vor zehn Jahren unsere zweite Tochter an. Ihre bisherige, auch mit Reisen verbundene Arbeit war schwer mit zwei Kindern zu vereinbaren. Zu der Zeit machte mein Unternehmen gerade einen Wachstumsschritt.

Auswirkungen auf das Umfeld

Wir entwickelten die Idee, dass meine Frau mich in meiner Firma entlasten könnte. Aber unsere Sorge war, dass wir kein Privatleben mehr haben und nur noch über die Firma reden würden.

Und dazu kam auch noch: Was, wenn meine Frau nach einem Jahr wieder aussteigen würde, weil es nicht gut zwischen uns funktionierte? Das würde ins Unternehmen ausstrahlen, und deswegen wollten wir es nicht übers Knie brechen.

Ich hatte zu der Zeit selbst schon Erfahrung sowohl als Coach wie auch als Klient und schlug vor, dass wir uns entsprechende Unterstützung suchen sollten, um über alle unsere Sorgen und Bedenken frei sprechen zu können. Und das machten wir dann auch.

Wir verstanden so auch die Wirkungszusammenhänge einer solchen Zusammenarbeit als Ehepaar besser. Denn es ging eben nicht nur darum, dass wir beide permanent über die Firma sprechen und kein Privatleben mehr haben würden, sondern auch um die Auswirkungen auf unser Umfeld: So brauchten unsere beiden Kinder zuhause Mama und Papa und nicht Chefin und Chef, und wir mussten auch an unsere Eltern und unseren Freundeskreis denken.

Ein paar Bomben

Aber das Coaching ging noch tiefer. Meine Vorstellung war schon vorher gewesen: lieber Bomben jetzt hochgehen lassen als nachher, wenn es fürs Entschärfen zu spät ist. Und ein paar Bomben fanden wir wirklich.

Das war, als uns unser Coach fragte: „Welche Befürchtungen haben Sie denn in Bezug auf Ihre Zusammenarbeit?“ Da kochte tatsächlich einiges hoch, was wir so wahrscheinlich nie oder nicht so einfach miteinander besprochen und geklärt hätten.

Aber wenn wir auf diese Themen erst später in der Zusammenarbeit gestoßen wären, hätten wir und unsere Arbeit und das Unternehmen echten Schaden nehmen können.

Tot, verrückt oder pleite

Seitdem ist das Ehepaar auch ein Unternehmerpaar. Ich finde, wir haben einen sehr guten Weg für uns gefunden, Arbeit und Ehe und Familie auszutarieren. Wir reden zu Hause auch über die Firma, aber wir halten das möglichst minimal, um uns und auch insbesondere unseren Kindern nicht das Gefühl zu geben, dass unser Zuhause das zweite KAAPKEHAUS ist. 

Die Gefahr, zu sehr in der Manager- und Fachkraft-Rolle und zu wenig in der Unternehmer-Rolle zu arbeiten, habe ich auch durch die Zusammenarbeit mit meiner Frau reduzieren können. Wir sind ein Unternehmerehepaar, in dem ich mehr in der Unternehmer-Rolle bin und sie mehr in Fachkraft- und Managerinnen-Rollen aktiv ist. Da ergänzen wir uns optimal.

Aber natürlich tausche ich mich mit ihr auch darüber hinaus über unternehmerische Entscheidungen aus. Da ist mir ist ihr Rat total wichtig. Wenn der Unternehmer in mir durchgeht, dann kann das schon mal ein bisschen größenwahnsinnige Züge annehmen, und dann erdet sie mich.

Außerdem reflektiert sie bei allen unternehmerischen Entscheidungen auch mehr als ich, was die nicht nur für unsere Firma, sondern auch für unsere Familie und für uns als Paar bedeuten.

Als ich begann, über diesen Blogtext nachzudenken, lag ich auf dem Sofa und hörte I saw her standing there von den Beatles, unseren Ehrentanz-Song bei unserer Hochzeit, und ich war voller Dankbarkeit.  

Ohne sie, dachte ich, wäre ich schon längst tot oder verrückt oder pleite oder alles zusammen. Ich weiß aus Gesprächen mit anderen UnternehmerInnen, wie viele das Problem haben, dass sich ihre Ehepartner abends gar nicht dafür interessieren oder nachvollziehen können, was sie tagsüber im Unternehmen gemacht haben. Die fühlen sich oft richtig einsam.

Wir beide haben das große Glück, dass wir uns gefunden haben. Meine Frau ist für mich eine Riesenbereicherung und ich bin stolz darauf, dass ich mit ihr nicht nur gut leben, sondern auch gut arbeiten kann. Danke, Sandra!

Vor dem Schaden klug

Heißt das also, dass ich Ihnen empfehle, unserem Beispiel zu folgen? Nun, jedes Paar muss für sich selbst herausfinden, ob ein Zusammenarbeiten Sinn macht und wie das genau aussehen kann.

Wichtig ist mir die Botschaft aus dem Satz meines Rechtsprofessors in meinem Studium: „Ihr müsst vor dem Schaden klug sein!“ Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, beide gemeinsam als Unternehmerpaar in Ihrem Unternehmen zu arbeiten: Unterschätzen Sie das nicht!

Wenn Sie nur denken, überhaupt kein Problem, die Liebe wird’s schon schaukeln, dann reicht das nicht. Sie sollten wirklich beide Lust darauf haben, es muss klare Spielregeln geben, auch ein paar No-Gos, und etwas, woran Sie beide den Erfolg Ihrer Zusammenarbeit messen können. Das ist nicht besonders romantisch – aber ungemein vernünftig und hilfreich.

Das Risiko eines Fehlschlags ist viel zu groß, als dass Sie Ihre Ehe oder Ihre Familie aufs Spiel setzen sollten. Lassen Sie die Bomben vorher hochgehen. Auch wenn Sie meinen, bei Ihnen ist alles super: Es werden welche hochgehen, hundertprozentig!

Und können Sie sich eine Zusammenarbeit als Ehe- und als Unternehmerpaar vorstellen? Haben Sie darüber miteinander schon mal gesprochen? Schreiben Sie mir doch mal darüber. Aber vor allem: Sprechen Sie andere Unternehmer darauf an und tauschen sich mit ihnen darüber aus!

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