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Nicht jeder Unternehmer ist ein Unternehmer: Wie mich eine Erkenntnis prägte.

Schon bevor ich selbst Unternehmer wurde, gewann ich früh eine prägende Erkenntnis: Nicht jeder, der ein Unternehmen führt, denkt und handelt auch unternehmerisch.

Manche von uns lieben es, vor allem wie eine Fachkraft ihr Expertenwissen einzubringen. Andere legen den Schwerpunkt darauf, dass sie wie ein Manager den Laden organisieren. Und dann gibt es noch die, die sich wirklich darauf fokussieren, als Unternehmer zu gestalten.

Und wissen Sie was: Das ist okay. Ein Problem entsteht nur dann, wenn wir Unternehmer nicht bewusst entscheiden, was wir eigentlich hauptsächlich machen wollen – und stattdessen einfach in ein Tätigkeitsprofil hineinrutschen, das uns selbst gar nicht bewusst ist.

Wo und wie ich diese Erkenntnis gewann? Ich erzähle es Ihnen …

 

Drei entlassene Trainees

In meinen Anfangsjahren arbeitete ich als Markenstratege in einer Agentur. Eines Tages gab es dort eine Betriebsversammlung, an der ich aber nicht teilnehmen konnte. Verkündet wurde auf der Versammlung, dass die Agentur einen wichtigen Kunden verloren hatte und nun in diesem Zusammenhang drei Mitarbeitern gekündigt werde musste.

Am Tag danach wurde ich zu meinem Chef ins Büro zitiert. Er erzählte mir von dem Riesen-Finanzeinschnitt, den der verlorene Kunde bedeutete, und nannte mir die Namen der Mitarbeiter, die entlassen wurden.

Ich war sehr überrascht, denn die zwei Genannten waren Trainees, sie verdienten damals jeweils so um die 1000 DM, also deutlich weniger als die meisten anderen Mitarbeiter. Und die waren auch noch richtig gut, ein echt talentierter Texter und ein top Art Director.

 

„Mir geht es um Selbstverwirklichung“

Ich fragte meinen Chef: „Bist du dir sicher? Das bringt doch finanziell eh nicht viel, diese 2000 DM. Und das sind doch zwei echt gute Leute. Macht das denn Sinn? Aber du wirst das wohl gut durchdacht haben, du bist ja hier der Unternehmer …“

Ich weiß noch wie heute, wie er mich mit offenem Mund und großen Augen ansah und dann sagte: „Also – als Unternehmer sehe ich mich gar nicht. Ich mache das hier nicht aus unternehmerischer Attitüde. Mir geht es nur um Selbstverwirklichung. Ich bin eher der kreative Künstler!“

Ich war damals noch mitten in der sechsmonatigen Probezeit, und ich wusste in dem Moment: Egal, was er dir in drei Monaten anbietet – ich werde nach der Probezeit gehen. In so einem Laden möchte ich nicht arbeiten.

 

Ein abgelehntes Angebot

Kurz vor Ende der Probezeit kam mein Chef dann zu mir ins Büro und meinte jovial: „Timo, nur, dass du es weißt, deine Probezeit endet ja bald. Nicht, dass du auf die Idee kommst, uns zu verlassen. Wir würden dich gerne behalten. Und nicht nur das, ich könnte mir auch eine Juniorpartnerschaft vorstellen: fünf Prozent der Gesellschaft.“

Ich war natürlich im ersten Moment geplättet. Am Beginn der Karriere so etwas angeboten zu bekommen, das war schon etwas Besonderes. Abends zu Hause dachte ich bei Give it Away von den RHCP, das auf meinem CD-Player lief, über das Angebot intensiv nach. Ich erinnerte mich dabei an dieses Gespräch, ein halbes Jahr vorher nach der Betriebsversammlung, mit der Aussage meines Chefs, er wolle sich als Künstler selbst verwirklichen und verstünde sich nicht als Unternehmer.

Ich dachte: Nee, selbst wenn er mir die fünf Prozent schenkt, das wird nur Stress mit ihm. Ich spürte instinktiv, dass die unklare Haltung zum Unternehmersein auf Dauer ein Problem wäre. Und so ging ich am nächsten Tag zu ihm und verkündete meinen Entschluss: dass ich nach der Probezeit gehen würde.

Im Nachhinein, wenn ich heute über diese Erfahrung nachdenke, ist sie überhaupt nicht negativ, sondern durchaus positiv besetzt. Sie war einer der prägenden Anstöße, die mich zur Reflexion übers Unternehmersein animiert haben, die mich seitdem mein ganzes Berufsleben begleitet. 

 

Den Rollen-Mix gestalten

Einen der wesentlichen Gedanken dieser Reflexion habe ich schon oft beschrieben und fasse ihn auch hier noch einmal kurz zusammen: Wir Unternehmer haben alle immer mindestens drei Rollen in uns – nämlich Unternehmer, Manager und Fachkraft. Und egal, welche formale oder rechtliche Position wir in unserer Firma inne haben – wir haben immer die Wahl, uns zu entscheiden, wie wir diesen Rollen-Mix (siehe auch TIMeOut #10) für uns gestalten möchten!

Ich bin weit entfernt davon, das dogmatisch zu sehen. Ich kenne ganz viele Unternehmer, die möchten neben der Unternehmer-Rolle zu einem gewissen Teil die Manager- oder vielleicht sogar auch die Fachkraft-Rolle für sich aktivieren, einfach, weil sie da Spaß dran haben, weil sie das vielleicht besonders gut können, oder was auch immer …

Wichtig ist nur, dass wir uns als Unternehmer den für uns passenden, ganz individuellen Rollen-Mix klarmachen und uns bewusst dafür entscheiden. Je bewusster wir für uns klar haben, in welcher Rolle wir wie aktiv sein wollen, desto leichter fällt es uns, um diesen Rollen-Mix herum eine Organisation zu bauen, die den individuellen Mix ermöglicht und das Geschäftsmodell unseres Unternehmens erfolgreich umsetzen kann.  

 

„Wie ist dein Rollen-Mix heute?“

Welcher der für uns ideale Rollen-Mix ist, das ist eine Frage für alle Unternehmer und nicht zuletzt auch für alle Nachfolger, in allen meinen Sparrings sowohl mit der NEXT GENERATION UNTERNEHMER als auch mit den Senior-Unternehmern eine zentrale Rolle spielt

Ich stelle immer zuerst die Frage: „Wie ist Dein Rollen-Mix heute?“ Die Senioren bei kleineren Unternehmen kommen auf ca. 10 % Unternehmer-Rolle, 30 % Management-Rolle und 60 % Fachkraft-Rolle – die hängen so sehr im operativen Hamsterrad der Fachkraft, dass ihre Unternehmen schon allein deswegen nicht größer werden. Bei den größeren Unternehmern sind es etwa 30 / 60 / 10 % .

Bei den Junioren sind es in den kleinen Unternehmen meist nicht mehr als 5 / 20 / 75 %, in den größeren Unternehmen 5 / 70 / 25 % .

 

Der Rollen-Mix der Zukunft

Noch spannender wird es dann, wenn ich frage, wie sich die Unternehmer die Aufteilung eigentlich in Zukunft vorstellen. In den nächsten 2 bis 3 Jahren, oder gar in den nächsten 10 bis 20 Jahren. Und wie sie ihr Unternehmen gestalten müsse, damit sie die Aufteilung so auch wirklich realisieren können.

Soll das eher ein Unternehmer-geführtes, ein Manager-geführtes oder Fachkraft-geführtes Unternehmen sein? Wenn es ein Unternehmer-geführtes Unternehmen werden soll, dann geht es um die Aufgabe, sich als Unternehmer zu mindestens 60 bis 70 % auch wirklich in die Unternehmer-Rolle hinein zu entwickeln. Und gleichzeitig für Fachkraft- und Managertätigkeiten ein Team aufzubauen.

Wenn einer ein Management-geführtes Unternehmen aufbauen möchte, braucht er eine ganze Menge Fachkräfte und muss sich die Frage stellen, wo er die unternehmerischen Impulse her bekommt. Holt er sich das von außen über eine Beratung? Und wie weit kann er das Unternehmen dann skalieren und wachsen lassen?

 

Alles ist möglich

Mein Chef damals entwickelte seine Agentur in Richtung eines Fachkraft-geführten Unternehmens. Ohne dass ihm bewusst war, was das für das Unternehmen (er sah und begriff seine Agentur wahrscheinlich gar nicht als Unternehmen) bedeutete. Ich glaube, dass ihm das ein Stück weit erst damals im Gespräch mit mir aufgegangen ist, als ich ihn in der Unternehmer-Rolle ansprach und er das spontan mit Überzeugung von sich wies.  

Wie gesagt, alles ist möglich, auch ein solches Fachkraft-geführtes Unternehmen ist machbar. Aber dann müssen Unternehmer- und Management-Tätigkeiten an andere übergeben werden, dann muss das Unternehmen bewusst so gestaltet werden.

Und ganz wichtig ist es, dass sich jeder Unternehmer über die Konsequenzen seines Wunsch-Rollen-Mixes im Klaren ist. Wenn mir einer erzählt, dass die Firma in drei Jahren um 500 Prozent wachsen soll und er dann eine Million Geschäftsführergehalt haben will, dann sage ich: „Okay, jetzt lass uns mal schauen, ob das mit dem Rollen-Mix, den du für dich persönlich verfolgen willst, realistisch ist – oder gibt es einen Zielkonflikt?“

 

Hölle? Oder geilster Job der Welt?

Wir Unternehmer können selbst entscheiden, wie wir den Rollen-Mix für uns gestalten – proaktiv und initiativ. Wenn wir es nicht tun, ist die Gefahr groß, dass wir in einen Rollen-Mix rutschen, den wir gar nicht wollen oder der uns bzw. unsere Firma überfordert und auf den wir dann nur noch reagieren.

Wenn wir unseren Unternehmerjob einfach so laufen lassen, kann er die Hölle sein. Aber wenn wir ihn bewusst so gestalten, wie es zu unseren Neigungen und Fähigkeiten passt – dann ist der geilste Job der Welt.  

Wissen Sie, in welchem Rollen-Mix Sie agieren? Entspricht er ihren Wünschen und Fähigkeiten? Haben Sie sich schon die Zeit genommen, ihn  bewusst und proaktiv zu gestalten?

Schreiben Sie mir doch mal darüber. Aber vor allem: Sprechen Sie andere Unternehmer darauf an und tauschen sich mit ihnen darüber aus!

Frohes schaffen
und keep on burning!

Timo Kaapke

Foto von Timo Kaapke

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