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Unternehmerische Gelassenheit: Warum viele Unternehmer vor lauter Ungeduld in Gefahr sind, die Gegenwart zu verpassen.
17.06.2024
Timo Kaapke

Wenn Unternehmer – mal Hand aufs Herz – gefragt werden, ob sie eine Schwäche haben, dann sagen sie oft: „Ja, ich bin ungeduldig.“ Die meisten sagen das aber eher augenzwinkernd, weil sie wissen, dass die Ungeduld von dem meisten Zuhörern im Zusammenhang mit Unternehmer gar nicht als Schwäche, sondern eher als notwendige unternehmerische Tugend angesehen wird.

Ich bin auch ungeduldig, aber ich denke immer häufiger, dass das eigentlich weniger eine Tugend ist als eine typische Unternehmerkrankheit: die uns unterm Strich nicht guttut, und unseren Mitarbeitern und Kunden auch nicht. Und ich frage mich, wie wir die Ungeduld mit einer unternehmerischen Gelassenheit verbinden können.

 

Die Unzufriedenheit der Unternehmer

Wenn ich recht darüber nachdenke, war ich schon immer ungeduldig, mir ging irgendwie stets alles zu langsam. Nun will ich gar nicht bestreiten, dass das ja im unternehmerischen Kontext sogar einen gewissen Sinn hat – dann nämlich, wenn ich die Ungeduld als unternehmerische Unzufriedenheit wahrnehme und bestmöglich konstruktiv mache. Denn die ist tatsächlich ein entscheidender Antrieb, damit wir unsere Unternehmer-Rolle überhaupt ausfüllen können.

Dahinter steckt für mich, dass der Unternehmer im Rahmen des Unternehmens nicht so sehr im Hier und Jetzt unterwegs ist, sondern in zukunftsgerichteten Fragen, Erfahrungswerte aus der Vergangenheit interessieren ihn dabei nicht so sehr wie seine Mitarbeiter.

Deshalb sucht er immer neue Blickwinkel und stellt ständig kreative Fragen an sein Unternehmen – er fordert es damit ständig heraus. Da ist tatsächlich eine gewisse Unzufriedenheit und, ja, auch Ungeduld mit im Spiel, die ihn antreibt in dieser Rolle.

Das ist oft lästig für das Unternehmen, und es nervt die Mitarbeiter – auch wenn es andererseits in einem vernünftigen Maß eben auch durchaus unverzichtbar dafür ist, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen und insofern in einem gewissen Rahmen auch eine unternehmerische Tugend darstellt.

 

Wenn du dir was wünschen dürftest ...

Die Frage bleibt: Was ist ein vernünftiges Maß? Ich glaube, dass wir Unternehmer es, öfter als wir denken, überschreiten. Und diese ständige Ungeduld, uns selbst, aber auch anderen gegenüber, macht etwas mit uns, sie zehrt an unseren Nerven, und sie nervt unsere Mitmenschen.

In den Feedbackgesprächen mit meinen Mitarbeitern ist mir das unisono gespiegelt worden. Auf meine gestellte Frage „Wenn du dir eine Sache  wünschen dürftest, wo sich Timo Kaapke verändert, was wäre das?“ kam oft so etwas wie: „Es wäre schön, wenn du (etwas) mehr Geduld hättest!“

Aber auch für mich selbst ist die Ungeduld, das ständige Getriebensein, der andauernde Zukunftsmodus auf Dauer etwas, was mir einfach nicht gut tut und mir Gegenwart nimmt. Ich bin zwar weiterhin durchaus der Überzeugung, dass Unternehmersein eine Form von Extremsport ist. Ja, wir brauchen den Kick, die ständige Herausforderung, die in gewisser Weise der typische Aggregatzustand von uns Unternehmern ist und auch für mich zu meinem Unternehmersein einfach dazugehört.

Doch gerade Extremsportler arbeiten intensiv daran, zielorientiert, konzentriert und fokussiert ganz im gegenwärtigen Moment zu sein und nicht schon in Gedanken auf einem Siegertreppchen. Warum sollte das uns Unternehmern nicht auch gelingen können?

 

Neuer Blickwinkel

Anfang Juni wollte ich der Frage für mich mal etwas genauer auf den Grund gehen – in einer Ichzeit, die ich mir mal wieder genommen habe und wie sie mir häufiger ganz bewusst organisiere, für mich allein, ohne Familie. Ich brauche diese kleinen Blickwechsel, sie helfen mir, aus der Ferne auf mein Unternehmen zu schauen.

Diesmal waren es ein paar Tage in Norddeutschland, ich hatte einfach gemerkt, dass ich das jetzt mal wieder brauche, nach dem ersten Halbjahr, in dem ich viel bewegt habe, mal kurz innezuhalten, mir nochmal klar zu machen, was ich geschafft habe und mich schon jetzt auf das zweite Halbjahr neu einzustellen und auszurichten.

Es geht bei meinen Ichzeiten immer um das Gleiche: Von außen betrachtet sehen mein Unternehmen und alles, was damit zu tun hat, ganz anders aus. Ich sehe dann vieles durch einen neuen Blickwinkel und erkenne Dinge, die für mich drinnen unsichtbar bleiben.

Foto von Timo Kaapke

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Der gegenwärtige Moment

Ich nutze diese Ichzeit immer auch ein bisschen zum Selbstcoaching, das ist für mich die Königsdiziplin, und es hat lange gedauert, bis ich dazu wirklich in der Lage war. Das ist nicht ganz so effektiv wie mit einem Coach, aber ich habe das mittlerweile ganz gut gelernt und nutze die Zeit dafür sehr konzentriert. Und in letzter Zeit beschäftige ich mich auch immer häufiger mit Meditation.

Ich hatte deswegen kein großes Programm, hatte keine Arbeitssachen, keinen Laptop und überhaupt nicht viel Zeug eingepackt, nur ein paar Klamotten und mein Fahrrad, außerdem hatte ich ein Buch dabei, aber wirklich nur eines – „Jetzt“ von Eckhart Tolle – das davon handelt, wie man ein gesünderes, glücklicheres und achtsameres Leben führen kann, indem man im gegenwärtigen Moment lebt.

Kein neues Buch, sondern schon fast ein Klassiker, von dem ich aber erst neulich in einem Podcast wieder gehört und das mich irgendwie sehr angesprochen hatte. Es passte zu dem Thema, mit dem ich mich beschäftigen wollte, meiner Ungeduld und Rastlosigkeit.

Ich wollte darüber nachdenken, ob ich es mir erlauben darf und will, etwas Geschwindigkeit aus dem, was ich da tue, rauszunehmen, und mehr den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen und auszukosten.

 

Ein Gefühl von Gelassenheit

Damit habe ich mich in den Tagen beschäftigt, und in einem Moment, wo ich gerade über meine Kopfhörer Spoonman von Soundgarden hörte, verstand ich noch einmal mehr, als es mir bisher schon bewusst war: Die Dinge dürfen manchmal ruhig auch einfach mal ein bisschen länger dauern. Denn sie werden dadurch eben nicht schlechter, wie wir oft meinen, sondern oft im Gegenteil sogar besser.

Und vor allem ist es gut, wenn wir das Erlebnis des Augenblicks auch mal loslösen von dem Ergebnis, dem, was bei dem, was wir tun, rauskommen soll. Wenn wir uns einfach die Frage erlauben: Was tut mir und vielleicht auch anderen, den Mitarbeitern, den Kunden, eigentlich gut?

Tut es gut, schnell ein Ergebnis zu erzielen? Oder tut es gut, ein Ergebnis zu erzielen, ohne das Gefühl von Hektik oder Getriebensein? Ich merke, dass dabei der Lohn ein Gefühl von Gelassenheit ist, das dabei entsteht. Und das ist mir so viel wert, dass ich den Speed aus gewissen Prozessen in Zukunft bewusst mehr rausnehmen will. Denn ich merke, ich werde so einfach lockerer, der Humor, der mir manchmal im Stress des Tagesgeschäftes und erst recht in der Coronazeit abhandengekommen ist, kommt wieder.  

 

Erlebnis und Ergebnis

Die Erkenntnis, die dahintersteckt, ist im Grunde auch gar nicht so total neu für mich, ich habe mich schon oft damit beschäftigt und gemerkt, dass die Frage nach dem Warum dessen, was wir tun, gerade bei uns Mittelständlern oft zu kurz kommt. Weil wir so gepolt sind, dass wir ständig überlegen, was wir für unser Unternehmen tun können. Aber die andere Denkrichtung ist genauso wichtig: Was kann mein Unternehmen für uns tun?

Denn wenn unsere Unternehmen uns viel Kohle bringen, ist das natürlich völlig okay, aber das heißt noch lange nicht, dass uns die Arbeit dafür auch emotionale Erfüllung bringt. Umgekehrt bringt uns auch auf Dauer ein Unternehmen nichts, dass zwar viel Spaß, aber kein Geld bringt.

Das sind zwei Seiten derselben Medaille, beides gehört zum Unternehmersein: das Erlebnis und das Ergebnis, das Warum und das Wozu, das FROHE und das SCHAFFEN, die Gelassenheit und die ständige neue Herausforderung.

Nur wenn wir beiden Seiten Raum geben in unserem Unternehmersein, können wir glücklich und erfolgreich werden.

Wie ist das bei Ihnen mit der Ungeduld und der Rastlosigkeit? Tut sie Ihnen und den Menschen, mit denen Sie zu tun haben, gut? Schaffen Sie es, auch ohne Hektik gute Ergebnisse erzielen? Schreiben Sie mir doch mal darüber. Aber vor allem: Sprechen Sie andere Unternehmer darauf an und tauschen sich mit ihnen darüber aus!

 

Frohes schaffen
und keep on burning!

Timo Kaapke

Foto von Timo Kaapke

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