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Was wir am Anfang noch nicht wussten

In wenigen Tagen ist es 26 Jahre her, dass ich mich selbständig gemacht habe.

Am 13. Oktober 2000 begann mein erster Arbeitstag als selbständiger Unternehmer. KAAPKE entstand damals durch eine Ausgründung aus dem Unternehmen meines Vaters. Ein Weg, den wir als kreative Nachfolge bezeichnen.

Ich hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, was ich mit meinem eigenen Unternehmen erreichen wollte. Professionelle Markenexpertise sollte nicht länger vor allem großen Konzernen vorbehalten sein. Ich wollte sie mittelständischen Unternehmen zugänglich machen.

Besonders interessierten mich inhabergeführte Unternehmen. Unternehmen, in denen ich Markenpotenzial sah, das die Inhaber selbst häufig noch gar nicht als solches erkannten.

Auch die Entscheidung, mit wem ich zusammenarbeiten wollte, war bewusst getroffen. Mein Ansprechpartner sollte möglichst der Unternehmer selbst sein. Nicht, weil Marketingverantwortliche weniger weitblickend wären, sondern weil Inhaber in einer anderen Verantwortung stehen. Sie sind langfristig mit ihrem Unternehmen verbunden, häufig über Generationen hinweg. Ihre Entscheidungen betreffen damit oft weit mehr als die nächste Marketingmaßnahme oder den nächsten Planungshorizont.

Mich interessierte diese unternehmerische Perspektive auf Marke. Daraus entstand unsere Positionierung: KAAPKE – Marken im Mittelstand.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich im Oktober 2000 unser schlichtes KAAPKE Logo zum ersten Mal auf dem Briefbogen sah. Im März 2001 hing es dann an der Wand meines ersten Büros in Cloppenburg. Ich war ziemlich stolz darauf.

Heute steht dieses Logo seit 2008 am KAAPKEHAUS. Unverändert. Auch unser Claim „Marken im Mittelstand“ ist derselbe geblieben. Wenn ich das Gebäude heute betrachte, sehe ich darin natürlich mehr als damals auf dem Briefbogen oder an der Bürowand. Ich kenne schließlich die Fortsetzung.

Und genau das verändert den Blick auf den Anfang.

Wenn aus Entscheidungen eine Geschichte wird

Gründungsgeschichten werden meistens vom Ende her erzählt. Das lässt sich kaum vermeiden. Wer auf die Entstehung eines Unternehmens zurückblickt, kennt bereits viele der Entwicklungen, die damals noch in der Zukunft lagen.

Wir wissen, welche Entscheidungen wichtig geworden sind. Welche Überzeugungen Bestand hatten. Welche Begegnungen etwas ausgelöst haben und welche Wege sich später als richtig erwiesen. Mit diesem Wissen betrachten wir die Vergangenheit.

Dabei entsteht häufig eine erstaunlich schlüssige Geschichte. Einzelne Entscheidungen verbinden sich zu einer Linie. Aus frühen Überlegungen werden die Anfänge einer Strategie. Was sich über Jahre entwickelt hat, erscheint rückblickend manchmal so, als sei es bereits am ersten Tag angelegt gewesen.

Ich beobachte das auch bei meiner eigenen Geschichte. Die Konzentration auf inhabergeführte mittelständische Unternehmen war im Oktober 2000 eine bewusste Entscheidung. Ebenso die Überzeugung, dass Marke in diesen Unternehmen eine besondere Bedeutung hat und deshalb eng mit den Menschen verbunden ist, die unternehmerische Verantwortung tragen.

Das war tatsächlich schon da. Was ich damals nicht wissen konnte, war, wie weit mich diese Entscheidung einmal führen würde.

Heute weiß ich, wie eng unsere Markenentwicklungsarbeit mit den Unternehmern selbst verbunden ist. Wie sehr sich in einer Marke die Überzeugungen, Vorstellungen und manchmal auch die persönlichen Fragen eines Inhabers widerspiegeln.

Ich habe über die Jahre erlebt, dass die Beschäftigung mit einer Unternehmensmarke häufig weit über das hinausführt, was man zunächst unter Markenentwicklung versteht. Irgendwann geht es um die Identität des Unternehmers. Um seine Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens. Um Verantwortung und darum, was von einer Generation an die nächste weitergegeben werden soll.

Dass daraus für mich auch eine intensive Beschäftigung mit der nächsten Unternehmergeneration entstehen würde, konnte ich am Anfang nicht absehen. Heute lassen sich diese Entwicklungen gut miteinander verbinden. Aber diese Verbindung ist auch das Ergebnis von 26 Jahren Erfahrung. Sie war nicht der vollständige Plan vom Oktober 2000.

Die Klarheit von damals und das Wissen von heute

Mir ist diese Unterscheidung wichtig, weil Gründungsgeschichten häufig in zwei Richtungen vereinfacht werden.

Entweder erscheint der Gründer im Rückblick als jemand, der schon sehr früh wusste, wie sich alles entwickeln würde. Seine Entscheidungen werden zu Belegen einer besonderen Weitsicht, weil wir heute ihre Ergebnisse kennen. Oder der Anfang wird als vollkommen offen beschrieben. Als Aufbruch ins Ungewisse, bei dem sich erst unterwegs herausgestellt hat, was eigentlich entstehen sollte.

Beides kann zutreffen. Aber längst nicht jede Gründung lässt sich so erklären.

Bei KAAPKE war die Richtung von Anfang an klar. Ich wusste, für welche Unternehmen ich arbeiten wollte und weshalb mir gerade diese Zielgruppe wichtig war. Die Verbindung von Marke und inhabergeführtem Mittelstand war keine nachträgliche Interpretation unserer Unternehmensgeschichte. Sie war der Ausgangspunkt.

Gleichzeitig wäre es falsch, aus dieser Klarheit abzuleiten, dass ich die Entwicklung der folgenden Jahrzehnte bereits vor Augen hatte. Zwischen einer klaren unternehmerischen Überzeugung und dem Wissen um ihre späteren Folgen liegt ein erheblicher Unterschied.

Ein Unternehmer kann sehr genau wissen, wofür er steht, ohne zu wissen, wohin ihn diese Haltung einmal führen wird.

Vielleicht ist das sogar eine der interessantesten Eigenschaften unternehmerischer Entscheidungen. Sie können über lange Zeit Orientierung geben und zugleich Entwicklungen ermöglichen, an die bei ihrer Entstehung noch niemand gedacht hat.

Was das Ergebnis mit unserer Erinnerung macht

Je länger ich mich mit Unternehmern beschäftige, desto interessanter finde ich die Frage, wie wir Entscheidungen im Nachhinein beurteilen. Wir kennen ihre Ergebnisse und betrachten sie von dort aus.

War eine Entscheidung erfolgreich, erkennen wir darin häufig Konsequenz, Weitsicht oder ein gutes unternehmerisches Gespür. Ist sie gescheitert, suchen wir nach den Fehlern, die zu diesem Ergebnis geführt haben.

Dabei vergessen wir leicht, dass der Unternehmer im Moment der Entscheidung über ein anderes Wissen verfügte als wir heute. Er konnte Erfahrungen nutzen, Informationen sammeln, Entwicklungen einschätzen und sich eine fundierte Meinung bilden.

Aber er konnte die Zukunft nicht kennen. Das gilt auch für Entscheidungen, die sich später als besonders tragfähig herausstellen.

Dass unser Logo und unser Claim nach 26 Jahren noch unverändert bestehen, lässt sich heute als Zeichen einer konsequenten Positionierung betrachten. Und natürlich freue ich mich darüber.

Aber ich würde daraus nicht ableiten wollen, dass wir im Oktober 2000 bereits wussten, welche Bedeutung diese Positionierung über die folgenden Jahrzehnte bekommen würde. Wir hatten eine Überzeugung. Wir haben uns entschieden und anschließend mit dieser Entscheidung gearbeitet. Was daraus entstanden ist, hat sich erst im Laufe der Jahre gezeigt.

Das Ergebnis gehört zur Geschichte. Es darf nur nicht mit dem damaligen Wissen verwechselt werden. Denn auch eine gut begründete Entscheidung kann zu einem schlechten Ergebnis führen. Und umgekehrt kann eine Entscheidung erfolgreich sein, obwohl ihre ursprüngliche Begründung wenig tragfähig war.

Wer ausschließlich vom Ergebnis her urteilt, übersieht einen wesentlichen Teil unternehmerischer Verantwortung.

Entscheidend ist schließlich auch, auf welcher Grundlage jemand entschieden hat, als der Ausgang noch offen war.

Die Geschichte, die wir uns heute erzählen

Unternehmen entwickeln mit den Jahren ihre eigenen Geschichten. Darin gibt es Gründungsmomente, wichtige Entscheidungen, Wendepunkte und Menschen, die etwas geprägt haben.

Solche Geschichten sind wichtig. Sie helfen uns, Zusammenhänge zu verstehen. Sie erklären, woher ein Unternehmen kommt und welche Überzeugungen es geprägt haben.

Gerade in Familienunternehmen spielen sie eine besondere Rolle. Denn dort wird nicht nur ein Unternehmen weitergegeben. Häufig wird auch eine Geschichte weitergegeben, mit der sich die nächste Generation auseinandersetzen muss.

Umso wichtiger finde ich es, zwischen dem zu unterscheiden, was damals tatsächlich beabsichtigt war, und dem, was wir heute darin erkennen. Sonst besteht die Gefahr, dass wir die Vergangenheit zu sehr glätten.

Entscheidungen, deren Ausgang damals offen war, erscheinen plötzlich zwangsläufig. Umwege verschwinden aus der Erzählung oder werden nachträglich zu notwendigen Stationen erklärt. Und Entwicklungen, die erst über Jahre sichtbar geworden sind, wirken wie die Umsetzung eines ursprünglichen Plans.

Damit verlieren wir etwas von der Wirklichkeit unternehmerischen Handelns. Denn Unternehmer treffen Entscheidungen in einer Gegenwart, deren Zukunft sie noch nicht kennen. Das war im Jahr 2000 nicht anders als heute.

Ein Logo und 26 Jahre dazwischen

Wenn ich heute das KAAPKE Logo am KAAPKEHAUS sehe, denke ich manchmal an den ersten Briefbogen im Oktober 2000. Damals war dieses Logo zunächst das sichtbare Zeichen meines eigenen Unternehmens. Ein paar Monate später hing es an der Wand meines ersten Büros. Ich erinnere mich noch an den Stolz, den ich dabei empfunden habe.

Heute ist das Logo dasselbe geblieben. Nur mein Blick darauf hat sich verändert.

Ich sehe darin inzwischen die Erfahrungen, Begegnungen und Entwicklungen von 26 Jahren Unternehmersein. Auch die vielen mittelständischen Unternehmen und ihre Inhaber, mit denen wir gearbeitet haben. Und ich sehe, wie sehr sich mein Verständnis von Marke im Laufe dieser Zeit durch die Beschäftigung mit den Unternehmern selbst erweitert hat.

All das konnte ich im Oktober 2000 noch nicht sehen. Damals hatte ich eine klare Idee, eine bewusste Positionierung und den Entschluss, daraus ein eigenes Unternehmen zu machen. Das war eine gute Grundlage. Was einmal daraus werden würde, musste sich erst zeigen.

Vielleicht sollten wir Gründungsgeschichten deshalb nicht danach beurteilen, wie vollständig sich ihre spätere Entwicklung bereits aus dem Anfang erklären lässt.

Interessanter finde ich, was damals wirklich schon klar war. Welche Überzeugungen eine Entscheidung getragen haben. Und welche Bedeutung erst durch die Erfahrungen der folgenden Jahre hinzugekommen ist.

Denn Unternehmer entscheiden ihre Geschichte nach vorne.

Erzählt wird sie meistens rückwärts.

Frohes schaffen!
Timo Kaapke

Foto von Timo Kaapke

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