Aus dieser Erkenntnis wollte ich Konsequenzen ziehen. Ich begann, mich stärker auf meine Unternehmer-Rolle zu konzentrieren und operative Verantwortung zu dezentralisieren und immer mehr abzugeben.
Das war zunächst ungewohnt. Schließlich hatte ich das Unternehmen selbst aufgebaut. Ich kannte viele Kunden, war in zahlreiche Projekte eingebunden und hatte über Jahre unzählige Entscheidungen selbst getroffen.
Nun sollte ich lernen, dass andere Menschen vieles mindestens genauso gut machen konnten. Und dass es meinem Unternehmen guttun konnte, wenn ich mich aus bestimmten Dingen heraushielt. Das funktionierte Schritt für Schritt.
Allerdings machte ich dabei eine weitere Erfahrung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich zog mich zeitweise so weit zurück, dass ich auch als Unternehmer im Unternehmen kaum noch präsent war.
Irgendwann merkte ich, dass dadurch etwas fehlte. Meine Mitarbeiter hatten mehr Verantwortung übernommen. Gleichzeitig fragten sich manche, weshalb ich mich so selten blicken ließ und ob ich mich überhaupt noch für das Unternehmen interessierte.
Das beschäftigte mich. Denn natürlich interessierte ich mich für KAAPKE. Ich hatte nur angenommen, dass ich mich möglichst weit entfernen müsste, um tatsächlich Unternehmer sein zu können.
Meine Frau Sandra brachte es damals ziemlich gut auf den Punkt. Sie sagte sinngemäß, dass das Unternehmen mich weiterhin brauche. Allerdings weniger, als ich früher gedacht hatte, und mehr, als ich inzwischen annahm.
Ich musste also erst herausfinden, wie ich Verantwortung abgeben und gleichzeitig unternehmerisch wirksam bleiben konnte.
2016 haben wir dann einen entscheidenden Schritt gemacht. Wir teilten KAAPKE in zwei Bereiche auf: die Markenberatung und die Markenagentur.
Ich konzentrierte mich fortan auf die strategische Markenberatung. Damit rückte die Tätigkeit in den Mittelpunkt, die mich besonders begeisterte: gemeinsam mit mittelständischen Unternehmern ihre Unternehmen, ihre Marken und deren zukünftige Entwicklung zu gestalten und sie damit zugleich in ihrer persönlichen Entwicklung als Unternehmer zu begleiten.
Im Zuge dieser Neuausrichtung zog ich mich zunächst aus der Geschäftsführung der Markenagentur zurück und übergab die operative Verantwortung an zwei langjährige Unitleiter, die fortan die Geschäftsführung übernahmen und sich weiterentwickeln wollten.
In einem weiteren Schritt fanden wir auch für die Agentur eine neue unternehmerische Perspektive: Gemeinsam mit einem der Geschäftsführer realisierten wir einen Management-Buy-out. Damit gingen die operativen und unternehmerischen Verantwortlichkeiten auf die neue Führung über. Ich selbst bin der Agentur bis heute als Gesellschafter verbunden, konzentriere mich jedoch vollständig auf die strategische Markenberatung und das Unternehmersparring.
Für mich war das weit mehr als eine organisatorische Veränderung. Ich hatte viele Jahre versucht, meine Rolle innerhalb eines Unternehmens neu zu definieren, dessen Strukturen und Anforderungen wesentlich durch meine eigene Gründung geprägt waren. Mit der Aufteilung entstanden unterschiedliche unternehmerische Perspektiven. Die Markenagentur konnte sich eigenständig weiterentwickeln. Und ich konnte mich auf die Arbeit konzentrieren, in der ich meine eigenen Stärken und Interessen am besten einbringen wollte.
Dabei wurde mir noch einmal bewusst, dass Loslassen nicht bedeutet, sich von dem zu verabschieden, was man aufgebaut hat. Manchmal braucht es eine neue unternehmerische Struktur, damit sich sowohl das Unternehmen als auch der Unternehmer weiterentwickeln können. Für mich war die Aufteilung von KAAPKE deshalb ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zu meiner ursprünglichen Vorstellung von Unternehmersein.