Ich glaube, dass ein wirklich gemeinsames Wir nicht allein aus Übereinstimmung entsteht. Natürlich braucht es eine grundsätzliche Verbindung. Zwei Unternehmer sollten eine Vorstellung davon teilen, weshalb sie überhaupt etwas miteinander entwickeln möchten.
Aber eine tragfähige gemeinsame Identität muss auch Unterschiede aushalten können. Sonst bleibt sie abhängig davon, dass beide immer derselben Meinung sind.
Interessant wird es dort, wo aus unterschiedlichen Überzeugungen ein gemeinsamer Maßstab entsteht, den beide für richtig halten können.
Dieser Maßstab muss keiner der ursprünglichen Vorstellungen vollständig entsprechen. Er kann sich erst durch die Zusammenarbeit entwickeln. Und irgendwann wird er möglicherweise so selbstverständlich, dass nicht mehr bei jeder Entscheidung gefragt werden muss, von wem eine bestimmte Idee ursprünglich stammt.
Dann hat das Gemeinsame begonnen, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Eine Handschrift, in der die Herkunft beider Unternehmer erkennbar bleiben darf, die sich aber nicht mehr allein auf einen von ihnen zurückführen lässt.
Das ist für mich ein bemerkenswerter Gedanke. Denn als Unternehmer möchten wir gewöhnlich etwas prägen. Wir wollen unseren Unternehmen eine Richtung geben und darin auch unsere eigenen Überzeugungen wiederfinden.
Wenn wir uns mit einem anderen Unternehmer verbinden, verändert sich dieser Anspruch. Wir gestalten weiterhin. Aber wir gestalten etwas, dessen Entwicklung wir nicht mehr allein bestimmen.
Vielleicht zeigt sich gerade darin, wie ernst wir es mit dem gemeinsamen Wir meinen. Nicht daran, wie häufig wir davon sprechen. Sondern daran, ob wir bereit sind, dass aus zwei eigenständigen unternehmerischen Geschichten eine dritte Geschichte entsteht. Eine, die beiden gehört, ohne dass einer sie allein schreiben kann.
Frohes schaffen!
Timo Kaapke