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Wenn zwei Unternehmer ein gemeinsames Wir suchen.

Zwei Unternehmer entscheiden sich, etwas gemeinsam zu machen. Sie teilen eine Idee, sehen eine gemeinsame Zukunft und sind davon überzeugt, dass sie zusammen mehr erreichen können als jeder für sich allein.

Eine solche Entscheidung kann der Beginn von etwas Besonderem sein. Schließlich treffen hier Menschen aufeinander, die bereits Verantwortung übernommen, eigene Erfahrungen gesammelt und eine unternehmerische Haltung entwickelt haben.

Beide wissen, was es bedeutet, Entscheidungen zu treffen und mit deren Konsequenzen zu leben. Und beide haben eine Geschichte.

Genau darin liegt für mich eine interessante Herausforderung. Denn wenn zwei Unternehmer etwas Gemeinsames entwickeln möchten, treffen nicht einfach zwei Kompetenzen oder zwei Geschäftsmodelle aufeinander. Es begegnen sich zwei unternehmerische Identitäten. Und aus diesen beiden Identitäten soll nun etwas entstehen, das sich irgendwann selbstverständlich als Wir beschreiben lässt.

Aber wie entsteht dieses Wir eigentlich?

Was jeder bereits mitbringt

Ein Unternehmen trägt immer auch die Handschrift der Menschen, die es geprägt haben. Das zeigt sich in den großen Entscheidungen, häufig aber noch deutlicher in den vielen kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags.

Wie gehen wir mit Kunden um? Was verstehen wir unter guter Arbeit? Welche Entscheidungen treffen wir schnell und wo möchten wir lieber noch einmal genauer hinschauen?

Über solche Dinge muss ein Unternehmer im eigenen Unternehmen irgendwann kaum noch nachdenken. Vieles hat sich über Jahre entwickelt und ist zu einem selbstverständlichen Teil der eigenen unternehmerischen Haltung geworden.

Manche dieser Überzeugungen wurden bewusst formuliert. Andere sind aus Erfahrungen entstanden, ohne jemals ausdrücklich ausgesprochen worden zu sein. Gerade deshalb bemerken wir ihre Bedeutung häufig erst, wenn wir auf jemanden treffen, der die Dinge anders betrachtet.

Was für den einen selbstverständlich ist, erscheint dem anderen möglicherweise erklärungsbedürftig. Und was der eine als Ausdruck seiner unternehmerischen Verantwortung versteht, kann der andere als unnötige Einmischung empfinden. Darin muss noch kein Konflikt liegen.

Unterschiedliche Erfahrungen können eine gemeinsame Unternehmung bereichern. Sie eröffnen andere Sichtweisen und ermöglichen Entscheidungen, auf die keiner der Beteiligten allein gekommen wäre.

Allerdings entsteht dieser Mehrwert nicht automatisch. Denn beide Unternehmer müssen zunächst erkennen, dass die eigene Art, ein Unternehmen zu führen, nur eine mögliche Art ist.

Das klingt selbstverständlich. Nach vielen Jahren eigener unternehmerischer Verantwortung ist es das möglicherweise nicht immer.

Die gemeinsame Idee reicht nicht aus

Am Anfang einer Zusammenarbeit steht häufig eine gemeinsame Vorstellung davon, was entstehen soll. Vielleicht geht es darum, Kompetenzen zu verbinden, ein neues Angebot zu entwickeln oder gemeinsam unternehmerische Möglichkeiten zu erschließen. Solange der Blick auf diese Zukunft gerichtet ist, lassen sich Unterschiede vergleichsweise leicht überbrücken.

Beide sehen das Potenzial. Beide wollen etwas bewegen. Doch irgendwann wird aus der gemeinsamen Vorstellung unternehmerischer Alltag.

Es müssen Entscheidungen getroffen werden. Ressourcen sind begrenzt. Unterschiedliche Einschätzungen lassen sich nicht mehr allein durch die Begeisterung für die gemeinsame Idee auflösen.

Dann zeigt sich, wie tragfähig das gemeinsame Verständnis tatsächlich ist. Denn eine gemeinsame Vorstellung vom Ziel bedeutet noch lange nicht, dass beide dieselben Maßstäbe für den Weg dorthin haben.

Der eine ist möglicherweise bereit, kurzfristig wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen, um eine bestimmte Qualität zu erreichen. Der andere sieht gerade in wirtschaftlicher Disziplin eine wesentliche Voraussetzung dafür, langfristig Verantwortung übernehmen zu können.

Beide können gute Gründe haben. Und beide können aus ihrer bisherigen unternehmerischen Erfahrung heraus handeln.

Was aber gilt künftig gemeinsam? Diese Frage lässt sich nicht dauerhaft dadurch beantworten, dass jeder weiterhin auf seine eigene Überzeugung verweist. Irgendwann braucht die gemeinsame Unternehmung einen Maßstab, der über die bisherigen Vorstellungen beider hinausgeht.

Wem gehört das gemeinsame Wir?

An dieser Stelle wird die Frage nach einer gemeinsamen Identität für mich besonders interessant. Denn Identität entsteht nicht allein dadurch, dass wir beschreiben, wer wir gemeinsam sein möchten. Sie entsteht auch dadurch, wer diese Beschreibung prägen darf.

Zwei Unternehmer können sich darauf verständigen, dass sie künftig gemeinsam auftreten. Sie können einen Namen entwickeln, eine Positionierung formulieren und festlegen, welche Werte ihre Zusammenarbeit bestimmen sollen.

All das kann sinnvoll sein. Aber wer entscheidet, was davon tatsächlich zum gemeinsamen Selbstverständnis wird?

Werden die bisherigen Überzeugungen beider gleichberechtigt betrachtet? Oder setzt sich unbemerkt die Geschichte desjenigen durch, dessen Unternehmen größer, älter oder wirtschaftlich stärker ist?

Vielleicht ist einer der beiden nach außen sichtbarer. Vielleicht verfügt einer über mehr Erfahrung in dem Markt, in dem das gemeinsame Vorhaben entstehen soll. Vielleicht hat einer die ursprüngliche Idee entwickelt.

Solche Unterschiede verschwinden durch den Entschluss zur Zusammenarbeit nicht. Und sie müssen auch nicht zwangsläufig verschwinden. Schließlich bedeutet gemeinsame Verantwortung nicht, dass jeder jederzeit denselben Einfluss auf jede einzelne Frage haben muss.

Aber es macht einen Unterschied, ob eine gemeinsame Identität tatsächlich von beiden entwickelt wird oder ob einer die bestehende Vorstellung des anderen übernimmt.

Im zweiten Fall kann durchaus eine funktionierende Zusammenarbeit entstehen. Nur sollte man sie dann nicht vorschnell als gemeinsam entwickelte Unternehmeridentität beschreiben.

Mich beschäftigt deshalb weniger die Frage, ob beide überall gleich viel mitentscheiden. Interessanter finde ich, ob beide die Möglichkeit haben, das gemeinsame Selbstverständnis erkennbar mitzuprägen.

Zugehörigkeit braucht eine eigene Geschichte

Eine weitere Ebene wird sichtbar, wenn aus der Zusammenarbeit zweier Unternehmer eine Organisation entsteht, in der auch andere Menschen arbeiten.

Für die beiden Unternehmer ist die gemeinsame Unternehmung möglicherweise bereits mit einer besonderen Geschichte verbunden. Sie kennen die Überlegungen, die zu ihrer Entscheidung geführt haben. Sie erinnern sich an die ersten Gespräche und wissen, welche Möglichkeiten sie miteinander verbinden.

Für Mitarbeitende ist diese Geschichte nicht zwangsläufig genauso nachvollziehbar. Sie erleben zunächst, dass sich etwas verändert. Vielleicht entsteht ein neuer Name. Vielleicht werden bisher getrennte Teams zusammengeführt. Vielleicht verändert sich die Art, wie Entscheidungen getroffen werden.

Die Unternehmer können erklären, weshalb sie diesen Schritt für richtig halten. Aber daraus entsteht noch nicht automatisch Zugehörigkeit. Wer sich über Jahre mit einem Unternehmen identifiziert hat, verbindet damit eigene Erfahrungen, Beziehungen und Vorstellungen davon, was dieses Unternehmen besonders macht.

Diese Geschichte lässt sich nicht einfach durch eine neue gemeinsame Erzählung ersetzen. Sie gehört zu den Menschen, die sie erlebt und mitgestaltet haben. Das gemeinsame Wir zweier Unternehmer bekommt damit eine zusätzliche Dimension. Es reicht nicht aus, dass beide sich selbst darin wiederfinden.

Auch die Menschen, die künftig Teil der gemeinsamen Unternehmung sein sollen, brauchen die Möglichkeit, sich mit dieser neuen Identität auseinanderzusetzen und sie durch ihr eigenes Handeln mitzuprägen.

Dabei kann durchaus etwas entstehen, das von den ursprünglichen Vorstellungen beider Unternehmer abweicht. Und genau das ist für mich ein interessanter Gedanke.

Wenn zwei Unternehmer wirklich etwas Gemeinsames schaffen möchten, müssen sie möglicherweise akzeptieren, dass die daraus entstehende Identität irgendwann größer wird als ihre beiden persönlichen Vorstellungen.

Die Frage nach dem eigenen Einfluss

Unternehmersein ist immer auch mit Gestaltungswillen verbunden. Wir möchten etwas entwickeln, Entscheidungen treffen und Verantwortung dafür übernehmen, dass aus einer Vorstellung Wirklichkeit wird. Dieser Gestaltungswille prägt unsere Unternehmen.

Wenn zwei Unternehmer zusammenkommen, begegnen sich deshalb auch zwei Menschen, die es gewohnt sind, Einfluss auf die Entwicklung ihres Unternehmens zu nehmen.

Darin liegt eine besondere Spannung. Denn beide wollen gestalten. Gleichzeitig kann das Gemeinsame nur entstehen, wenn nicht jede Vorstellung unverändert erhalten bleiben muss.

Wie viel von meiner bisherigen Haltung möchte ich einbringen? Wo bin ich bereit, meine Sichtweise zu verändern? Und woran würde ich erkennen, dass ich mich in dem gemeinsamen Unternehmen nicht mehr wiederfinde?

Ich halte diese Fragen für anspruchsvoller als die bloße Verständigung über Zuständigkeiten. Denn Zuständigkeiten lassen sich vereinbaren.

Ob ich mich mit dem Ergebnis einer gemeinsamen Entscheidung identifizieren kann, obwohl ich selbst anders entschieden hätte, zeigt sich erst im konkreten Handeln.

Vielleicht besteht darin eine der wesentlichen Veränderungen, die zwei eigenständige Unternehmer durchlaufen, wenn sie gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Sie müssen lernen, zwischen der eigenen Überzeugung und einer gemeinsam getragenen Entscheidung zu unterscheiden.

Das bedeutet nicht, die eigene Haltung aufzugeben. Es bedeutet, Verantwortung auch für etwas zu übernehmen, das durch den Einfluss eines anderen mitgeprägt wurde.

Wenn das Gemeinsame eine eigene Handschrift bekommt

Ich glaube, dass ein wirklich gemeinsames Wir nicht allein aus Übereinstimmung entsteht. Natürlich braucht es eine grundsätzliche Verbindung. Zwei Unternehmer sollten eine Vorstellung davon teilen, weshalb sie überhaupt etwas miteinander entwickeln möchten.

Aber eine tragfähige gemeinsame Identität muss auch Unterschiede aushalten können. Sonst bleibt sie abhängig davon, dass beide immer derselben Meinung sind.

Interessant wird es dort, wo aus unterschiedlichen Überzeugungen ein gemeinsamer Maßstab entsteht, den beide für richtig halten können.

Dieser Maßstab muss keiner der ursprünglichen Vorstellungen vollständig entsprechen. Er kann sich erst durch die Zusammenarbeit entwickeln. Und irgendwann wird er möglicherweise so selbstverständlich, dass nicht mehr bei jeder Entscheidung gefragt werden muss, von wem eine bestimmte Idee ursprünglich stammt.

Dann hat das Gemeinsame begonnen, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Eine Handschrift, in der die Herkunft beider Unternehmer erkennbar bleiben darf, die sich aber nicht mehr allein auf einen von ihnen zurückführen lässt.

Das ist für mich ein bemerkenswerter Gedanke. Denn als Unternehmer möchten wir gewöhnlich etwas prägen. Wir wollen unseren Unternehmen eine Richtung geben und darin auch unsere eigenen Überzeugungen wiederfinden.

Wenn wir uns mit einem anderen Unternehmer verbinden, verändert sich dieser Anspruch. Wir gestalten weiterhin. Aber wir gestalten etwas, dessen Entwicklung wir nicht mehr allein bestimmen.

Vielleicht zeigt sich gerade darin, wie ernst wir es mit dem gemeinsamen Wir meinen. Nicht daran, wie häufig wir davon sprechen. Sondern daran, ob wir bereit sind, dass aus zwei eigenständigen unternehmerischen Geschichten eine dritte Geschichte entsteht. Eine, die beiden gehört, ohne dass einer sie allein schreiben kann.


Frohes schaffen!
Timo Kaapke

Foto von Timo Kaapke

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